Ja, das war ich nun ein paar Wochen, denn ich bin in den Sommermonaten immer in Belgien (naja immer....seit wir letztes Jahr den Wagen dort geschenkt bekommen haben). Ich fahre dann von dort zur Arbeit, erledige alles was man im Haushalt auch erledigt und schlafe abends, bei offenem Fenster ein. Seit neustem ist das Fenster zu. Mimi, unsere "mittlere" Katze ist am Dienstag ausgebüchst, hat sich im angrenzenden Wald versteckt und als ich von der Frühschicht zurückgefahren bin, waren alle Spuren von ihr verschwunden. Ich war innerlich so unruhig und ängstlich. Der Bauer schießt nachts auf Katzen, ein Fuchs hat sich bisher schon die eine oder andere unvorsichtige Mieze gemopst und ein Gewitter, Platzregen und Sturm zog auf. Also war bei mir Panik angesagt, innerlich. Nach aussen blieb ich ruhig. Wenn sie wiederkommt, gut, wenn sie die Nacht weg bleibt, kommt sie schon zurück....genau das habe ich mir eingeredet und versucht mich selbst so zu beruhigen. Die anderen Katzen, die dort "wohnen" sind auch draussen und denen ist bisher nichts passiert.
Der Nachmittag brach an und von Mimi keine Spur, sie war nicht mehr unter dem Wagen, reagierte nicht auf mein Rufen, was sie sonst immer macht und Gewehr bei Fuß neben mir steht, noch ehe ich ihren, doch kurzen, Namen zu Ende gerufen habe. Nichts. Keine Spur, kein Zeichen und ich malte mir schon die wildesten Bilder aus, was meiner kleinen Mausi passiert sein kann. Zutraulich ist sie nur bei Menschen die sie kennt und sie wandert noch nicht einmal zu meiner Schwiegermutter oder zu meinem Katzenflüsterer Schwiegervater. Sie meidet menschlichen Kontakt und ist dahingehend wirklich auf meinen Mann (der für sie immer das große Bettmonster bleihbt, das immer schimpft), einen guten Freund und mich geprägt. Finde ich nicht schlimm, denn so weiß das Tier, zu wem sie gehört. Aber sie war ja nun weg und ich hab sie schon erschossen im Wald gesehen, panisch unter einem Wagen hockend, weil der Regen und der Sturm sie dahingetrieben haben und der Hunger nagte an ihr und .....ich hasse in solchen Momenten mein Kopfkino!
Bis dann im mittleren Nachmittag....also es wurde noch nicht dunkel, was es ja nun wieder wird. Flea, unsere Jüngste....die unheimlich gewachsen ist....plötzlich am Schlafzimmerfenster rumeierte. Sie hatte da draussen was entdeckt und als mein Mann aus dem Fenster schaute, saß Mimi da, miaute kläglich und entschuldigend. Sie wollte sich so heimlich wie sie verschwunden war, wieder reinschleichen, was aber wegen des geschlossenen Fensters nicht ging, also bin ich schnell rumgelaufen, habe sie angelockt, eingefangen und sie erst einmal geschmust, gebusselt und sie mit in den Wagen zurück genommen. Max, ihr großer Bruder, kam an, beäugte sie und Zack! hatte sie auch schon eine gewatscht bekommen. Er hatte noch in Erinnerung, wie wir beim letzten Ausbruch von Mimi reagiert haben. Sie wurden nach Hause gefahren, bekamen Hausarrest und mussten die Nächte ohne uns verbringen. Ich fuhr nur zum Füttern heim und ein wenig schmusen, das wars. Max hasst nebenher noch Autofahren und das kam wohl in dem Moment alles hoch, weil er, obwohl er vor der Tür saß, miaute und nach Mimi gerufen hat....raus wollte, um sie zu suchen, doch schon arg sauer war, dass sie ausgebüxt ist. Vielleicht war er auch nur sauer, dass sie den Weg gefunden hat und er als Chef....nicht mitkonnte.
Ich war einfach nur froh, dass meine kleine Zuckerschnute wieder da ist und Spielkzeug hat sie nun auch neu. Was bringt es, wenn ich mit ihr schimpfe, sie nicht beachte? Nichts, genau! So habe ich mir ein Bein ausgefreut, weil sie wieder zurückgekommen ist und ihr Ausflug bleibt hoffentlich einzigartig. Ich würde das kleine Fellmonster schon arg vermissen, wenn sie einfach so wegbliebe.
Mittlerweile verstehe ich mich dort auch mit einer Frau sehr gut, die sich um die "vergessenen" Katzen kümmert. Offizeill hat sie keine einzige Katze.....allerdings haben dort mittlerweile 6 Katzen einen Unterschlupf, einen Freßplatz und auch einen Platz, an dem sie einfach gehalten werden, beschützt sind und sich geborgen fühlen. Ich finde den Einsatz von ihr so großartig. Wenn nun die ganzen Menschen heimgefahren sind, also in Belgien und den Niederlanden die Schule wieder losgeth, wird sie sich erst die Kater schnappen, diese kastrieren lassen und dann die Weibchen einfangen. So süß wie so kleine Fellnasen sind.....sie werden groß, bekommen eigene Babys und werden dann vom Bauern erschossen, weil sie im Wald umherstromern. Und um dem entgegenzutreten, hat sie sich gesagt....KEIN Tier muss sterben, weil die Menschen so unachtsam sind und nur die kleinen Miezen süß finden, doch die großen dann lästig werden und dort nach dem Urlaub vergessen werden.
Ich habe wirklich Achtung vor dieser Frau, die den Katzen einen ebenso hohen Wert einräumt, wie einem Menschen. Wo findet man das heute noch? Ich finde jedes Lebewesen ist ein Geschenk, ob es gesund oder krank ist. Es hat ein Recht zu leben und dieses Leben, egal ob lang oder kurz sollte mit Freude erfüllt sein und mit dem Wissen, dass es Menschen gibt, die dieses Leben schätzen und schützen. Ich selbst habe noch keine Kinder, allerdings bin ich mir sicher, wenn ich eines Tages in den Genuß einer Mutterschaft komme (ich bin ja noch jung ;) ) mein Kind wird Respekt vor dem Leben aller Lebewesen haben und ich hoffe, dass ein wenig von mir selbst darauf abfärbt. Ich verurteile Menschen nur dann, wenn sie sich an schwächeren Lebewesen (egal ob Mensch oder Tier) vergehen...körperlich oder seelisch ist dabei egal.
Mein Neffe, der zu Besuch war, fragte mich, warum der Max denn so groß sei und er mit 7 Jahren nicht langsam alt sei und eingeschläfert werden müsse. Ich war geschockt und habe zu ihm gesagt, dass der Max so lange bei uns bleibt, bis er eines Tages seine Augen für immer schliesst und zu seinen ehemaligen WG-Kumpel geht. Wenn man sich für ein Tier entscheidet, hat man die Verantwortung, bis zum Schluß und es ist ein leichtes zu sagen, dass man den Lebenspartner (denn sowas ist ein Tier, wenn es im gleichen Haushalt lebt) einschläfert, weil er zu alt ist. Aber mit 7 Jahren hat er noch nicht einmal die Hälfte dessen erlebt, was eine Katze so erlebt. Nur weil sein Kater "weggelaufen" ist, heisst es nicht, dass mein Tier auch in Heim kommt, weil es lästig ist...Klar nervt der Bär mich auch manchmal und zickt rum. Aber das ist wie mit Kindern. Man kommt damit klar, wenn man sich nur ein wenig mit dem Problem dahinter befasst. Meine Schwägerin hat ihren mittleren Sohn ins Heim gegeben, weil .... naja weil er nicht so ist, wie sie ihn gern hätte und da habe ich nur gedacht, was in der Erziehung und im Umgang mit dem Jungen falsch gemacht worden ist, da soll nun extern geholfen werden. Hätte sie ihm mal gesagt, dass sie ihn liebt, ihm mal ein Buch vorgelesen, anstatt ihn dem Babysitter TV zu übergeben, wäre der Junge eventuell gelassener und hätte später nicht mit einer miserablen Kindheit zu kämpfen. Allerdings ist er auch der einzige, ihrer drei Söhne, die eine klare Berufsvorstellung hat. Wenn das nicht ein kleiner Erfolg ist. Die anderen beiden träumern von einem Leben, was ihre Mutter führt... der Staat wird schon helfen!
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