Freitag, 4. Juni 2010

Willkommen

Wörtlich gesehen sind manche Worte schon kleine Meisterwerke. Willkommen. Er will kommen, sie will kommen, alle wollen kommen. Doch wohin? Hoch philosophisch beginnt mein Tag und ich grübel (verdammt ich habe zu viel Zeit) über Sinn und Unsinn, über Gefundenes und Verlorenes. Der Wechsel in der Wortwahl, oder besser gesagt der Wechsel im Inhalt und das was wir darunter verstehen.

War es in der Vergangenheit nicht so schlimm, das Wörtchen Geil zu sagen, ist man heute schon ein wenig absonderlich. Wurde es im 8. Jahrhundert noch als überheblich und übermütig genutzt, wandelte sich das Wort bereits 400 Jahre später. Die Bedeutung ähnlich, aber doch anders. „Kraftvoll“, „mutwillig“, „üppig“, „lustig“, „froh“, „fröhlich“ oder „schön“. Das bedeutete das Wort also im 12. Jahrhundert. Wieder 300 Jahre später galt das Wort geil schon als Anspielung auf sexuelle Lüsternheit und kommt dem heutigen Begriff, wie ich ihn als Kind verboten bekommen habe, sehr nah. Es ist etwas vulgäres und vulgär will nun wirklich keiner sein. Oder? Was ist schlimm daran schlicht zu sein? Passt man doch schlicht in die Masse und hebt sich nicht hervor. Dabei gehören doch die meisten Menschen dem vulgus profanum (gemeinen Volk) an. Was ist also schlimm daran, etwas als schlichter Mensch geil zu finden? Ich finde nichts schlimmes daran.

Ebenso denke ich über einige Wörter, die viele Menschen als abwertend sehen. Ich bin merkwürdig und das sogar mit Stolz. Ich bin würdig, dass man sich mich merkt. Also merk-würdig! Legt man den Blickwinkel auf eine neue Perspektive und lässt ein Denken um die Ecke zu, ist kein Wort wirklich gemein. Natürlich ist ein geschliffenes Wort schärfer als ein Schwert, aber im Grunde auch nur, wenn man eine solche Wortkunst beherrscht. Ein Wortklauber, so wie ich einer bin, kann verletzen und das sogar auf hohem Niveau. Ich bin nur ein Wortklauber und kein Asperger Autist, die ebenfalls gern die Metaphorik eines Wortes in Frage stellen und nicht wahrnehmen und damit will ich keinem dieser Menschen zu nahe treten. Ich bin daher eigentlich die wahre Jungfrau, die pedantisch in ihrem Tun ist und somit darf ich Wortklauberin sein. Das ist mir also in die Wiege gelegt, dass ich mich von keinem Wort beleidigen lasse, selbst aber im Wort meine schärfste Waffe sehe.

Ich finde es spannend und lustig zu sehen, wie die Umwelt auf mich reagiert. Manche denken ich sei eine Spinnerin und lächeln unbeholfen, andere überlegen und erkennen, dass ich im Grunde ja Recht habe und man mit Worten, wenn man sie so auslegt, wie sie gesprochen werden, niemandem wirklich Schaden zugefügt. Fort mit dem schnöden Schnickschnack, der blumigen Metapher und weg mit allem umschriebenen. Was übrig bleibt? Das pure Wort. So auszulegen wie es gemeint ist. Sage was du meinst und meine was du sagst! Das erspart mir viel Zeit und dir viel Nerven. Ich muss nicht kompliziert denken, wenn man mir sagt ich sei verrückt. Ich stehe einfach nicht mehr auf dem gleichen Punkt wie letzte Woche also wurde ich ver-rückt. Ich bin gern enttäuscht, denn nichts ist schlimmer als mit einer Täuschung zu leben und wenn man dann ent-täuscht wird, kann einem im Grunde nichts besseres passieren. So ist das in meiner Welt, in der sich die Dinge um vulgäre, geile und verrückte Tatsachen drehen. Und wenn du immer noch dorthin kommen willst....sage einfach Will-kommen. Dann ist die Tür geöffnet, für dich ein Platz in meiner Welt und in meiner Art zu denken!

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