ja, so soll es dann sein.
Beinahe 10 Monate ist meine wunderschöne Tochter nun alt und ich bin gewandelt, verwandelt, verzaubert, sprachlos und könnte so viel von ihr erzählen. Doch ich will das eigentlich auch wieder nicht, denn sie ist mein kleiner Schatz, den ich behüte. den ich so doll liebe und nie nie nie wieder hergebe.
Die Geburt war mit 19 Stunden sogar sehr Erstgebärendenfreundlich, auch wenn ich es nicht so gesehen habe. Nach 17 Stunden war ich soweit und wollte den Kaiserschnitt, doch die Ärztin sagte, dass es sicher nur noch 5 Minuten dauert und mit 2 Stunden waren es die längsten 5 Minuten, die ich je erlebt habe. Aber es hat sich gelohnt und dieses Erlebnis war so unglaublich.
So viel ist passiert, so groß ist sie schon geworden und vor allem sehr selbständig, wenn man bei einem baby von Selbständigkeit sprechen kann. Sie will viele Dinge schon allein machen, trinkt nicht aus Babyflaschen, sondern aus ihrem Becher. Beruhigungssauger sind doof, ihr Bär, der Paul heisst, der absolute Hit. Sie hat eine Giraffe, die Gru heisst, weil es das erste "Wort" war, was sie sagte, als sie die Giraffe gesehen hat. Ihr neustes Hobby ist stehen. zweihändig, einhändig und freihändig (für zwei Sekunden) Krabbeln kann sie, aus einfachem Robben wurde ein perfektes Krabbeln im "Vierfüsserstand".
Sie erhellt mein Leben und das meiner Familie, einfach durch ihre sonnige Art. Sie ist unendlich freundlich und zufrieden. Klar, sie kann auch zicken, Mädchen sind einfach so! Doch sie hat eine unglaulich ansteckende Freundlichkeit. Sie hat sogar meinen Opa bezaubert, der wollte sie nicht mehr hergeben. Aber ich musste sie mitnehmen, denn beim Stillen hätte es sicher ein paar Probleme gegeben, ohne Mutterbrust.
Sie hat diesem Mann ein paar schöne Erinnerungen geschenkt und auch wenn sie ihn nie wieder sehen wird, hat sie ihm etwas schönes hinterlassen.
Der Tod hat ihr den Uropa genommen, doch muss sie nicht weinen, denn er ist nur vor gegangen. Sicher sitzt er mit meiner Mutter auf einer Wolke und schaut zu uns herab, schenkt uns ein paar sonnige Tage im Leben und erhellt uns den Weg, wenns schwer wird.
Ich habe soviele Sachen über die ich schreiben mag. Und nun kommt das alles in den ersten Post im Jahr 2012.
Mein Opa ist gestorben, das haben einige Leser schon mitbekommen, denn es gibt dazu schon ein paar Posts. Ich bin ein wenig sprachlos gewesen, als die Nachricht eintraf, doch um ehrlich zu sein, überrascht hat es mich nicht. Jeder hatte mit ihm hitzige Diskussionen, er hat manche Argumente weit unter der Gürtellinie angeführt und doch war er der Opa, der so vor Freude gestrahlt hat, als er meine Tochter auf dem Arm halten durfte. Ich habe ihn an manchen Tagen richtig gehasst, weil er einfach unendlich gemeine Dinge gesagt hat. Man konnte sich noch so sehr bemühen, für ihn war es nicht gut genug. Er hat uns immer angetrieben. Ob ich ihn vermisse? Ich kann das gar nicht genau sagen. Ich hatte die letzten Jahre nur sporadischen Kontakt, auch weil er das eine oder andere Treffen nutzen wollte um Spitzen zu setzen, die ich als Wortakrobatin zielsicher zurückgeschossen habe. Er hat gern provoziert, einen gern geärgert, weil er sicherlich wollte, dass man immer 100 % gibt. Doch es gab Tage, das verstand er nicht immer, an denen man keine 100 % abrufen konnte. Man muss auch nicht immer über sich hinauswachsen. Man kann nicht immer mehr leisten, als die Batterien bereit sind zu geben.
Zum Ende hin, wurde es ihm klar, auch wenn er nie geklagt hat. Kriegskinder klagen nicht, sie ertragen demütig und mit Geduld, alles was sie schultern. Viele haben gesagt, er sei wegen der Krankheit noch ein wenig spitzzüngiger geworden, aber vielleicht war genau das seine Art zu klagen. Als ich ihn an seinem Geburtstag anrief und ihn fragte, wie es ihm ginge, sagte er nur "Gut!" Doch ich fragte ihn nochmal, wie es ihm wirklich geht, seine Maske könnte er ablegen und mir sagen, wie es ihm wirklich geht, dauerte es ein wenig. Ich glaube er war überrascht und dann antwortete er. "Ich klage nicht, denn es will eh keiner hören. Weil mir keiner zuhören will, höre ich auch einfach nicht mehr zu!" Er kicherte am Schluss, wie ein Schuljunge und da war mir klar, dass er den Ruf vernommen hatte. Ich lächelte und ich bin mir sicher, er hat es gespürt und dann sagte ich ihm, wenn ich ihn frage, wie es ihm geht, interessiert mich sein Zustand wirklich und ich will keine freundlich gemeinten Ausflüchte, damit er keinem zur Last fällt. Dann kam die Antwort und ich war perplex. Mir geht es nicht gut.
Das war jetzt ein Rundumschlag, vielleicht werde ich demnächst ausführlicher, aber jetzt will die kleine Maus bespaßt werden.
In diesem Sinne: geniesst das Leben. Wir sind aus dem gleichen Stoff gemacht, wie unsere Träume und unser kurzes Leben ist in einem langen Schlaf eingebettet.
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Merkwürdig, dass ich auch oft und viel mit ihm diskutiert habe, aber niemals böse.
AntwortenLöschenUnd wir haben viel gesprochen in den letzten Monaten, Wochen, wohlgleich, weil ich mindestens 1x die Woche dagewesen bin, zum wischen, tratschen, klönen. Über die Wehwechen, sowie auch über die schönen Dinge, die Urenkel...
Mir wird er fehlen, sehr sogar, der viel zu dünne Kaffee der wöchentlich an meinem Platz stand und das er dauernd durch den nassen Flur gelatscht ist.
Ich fühle mich also einfach nicht "rundumgeschlagen"
Drücker an Dich
Mit dem Rundumschlag war eher gemeint, dass ich so viele Themen versucht habe in einen Post zu verpacken. Ich weiss nicht, ob ich sagen kann, dass ich ihn vermisse....er ist ja im Grunde nur unsichtbar für die Augen im Kopf. All die Erinnerungen werden ihn lebendig in unserer Mitte halten und all die gemeinen Sprüche lächel ich mittlerweile weg. Er war, wie er war. Ein Mann der gern provozierte, mit schillernder Klasse einem vor den Kopf stieß und trotz allem immer daran glaubte, dass er allein die Wahrheit kannte. Man konnte noch so genau wissen, dass er falsch lag, aber genau das hätte er nie zugegeben. Viele Dinge sind immer seltsam gelaufen. So hat Oma immer versucht einiges von ihm fernzuhalten. Ich bin mir sicher, dass er glauben musste, Kinder kommen nach 3 Monaten fertig zur Welt, da Oma ihm nicht von meiner, oder Lias Schwangerschaft erzählt hat. Sie war der Meinung es würde ihn aufregen. Aber kurz vor der Entbindung wurde er dann eingeweiht. Ich habe viel mit ihm diskutiert, oft meine Meinung vertreten und bin so oft von ihm gemein angegangen worden, doch jetzt steht die Uhr bei Null und es ist vergeben, nicht aber vergessen. Das werden die Momente sein, die mich in einigen Jahren schmunzeln lassen, wenn ich in einer Situation bin, die mich daran erinnert, wie oft wir "gestritten" haben. Er war ein störrischer alter Esel, aber Esel sind absolut herzliche Tiere :D
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