So viele Dinge sind mir nun an ein paar Tagen klar geworden. Das Leben ist keine Selbstverständlichkeit, mit einem Wimpernschlag kann alles vorbei sein. Paralysiert habe ich mich gefühlt. Versteinert, mir fehlte die Luft zum Atmen. Ich hatte Angst! Angst um meinen Papa, dem ich mit meiner Angst dann auch noch verdammt weh getan habe.
Wenn das Herz den Dienst einstellen will und der Infarkt infolge dessen das Leben komplett auf den Kopf stellt, wird einem auf einmal bewusst, wie groß das Geschenk ist, das man da empfangen hat. Wie sehr man einige Dinge als selbstverständlich angesehen hat und plötzlich ist da diese Panik. Ich hatte so große Sorgen, war wütend auf mich selbst, habe gereizt auf meine Umwelt reagiert. Habe mich mit meinen Schwestern verbal duelliert, fühlte mich angegriffen, weil mir mein schlechtes Gewissen sagte: "Verdammt noch mal, du hast nur noch deinen Papa, den Ponch und deine Schwestern, die als Pfeiler aus der Vergangenheit deine Zukunft tragen. Leichtfertig hast du mal wieder a Anfang des Monat alles verpulvert und keine Rücklagen gebildet!"
Ja, ich habe geschimpft. Habe mich ungerecht behandelt gefühlt, meiner Wut ein Ventil gesucht. Das war falsch. Ich allein hätte für Klarheit sorgen müssen. In meinen Worten lag es doch, zu sagen, was die Lippen verschweigen wollten. Mein Papa hatte einen Herzinfarkt und ich war so in Sorge um ihn, dass ich alles versucht habe, um es nicht an mich heranzulassen. Ich habe von meinen Katzen erzählt, ihn nicht sofort gefragt, wie es ihm geht und das machte ihn traurig, was ich verstehen kann. Mein Papa ist kein Mann, der bittet und bettelt. Er will so angenommen werden, wie er ist. Mit all seinen Fehlern. Er möchte einfach mitten drin in der Familie sein. Das Leben spüren und nicht immer nur als Witwer gesehen werden.
Sein Übergewicht kommt nicht von irgendwoher. Er ist einsam und das ist das schlimmste, was einem Familienmenschen geschehen kann.
Mein Herz zerriss, als er mir sagte, dass er mit dem Taxi heimgefahren ist. Keiner hatte Zeit ihn zu fahren, ihn zu besuchen. Das Leben war ihnen wichtiger. Was wäre gewesen, wenn er den Infarkt nicht überlebt hätte? Allesamt hätte man sich am Grab getroffen, die Situation beweint und nicht einmal wäre gesagt worden. WARUM, war ich nicht einfach mal so bei ihm, wenn ich eh unterwegs war? WARUM habe ich mein Geld anders ausgegeben? WARUM?
Zum Glück hat er es überlebt und das Versprechen, welches wir uns vor beinahe 9 Jahren gegeben haben, wird nun neu gegeben. Wir vier.... wir sind füreinander da, sprechen über alles offen und ehrlich. Egal ob es unbequem ist. Es gibt nichts schlimmeres als nach vorn der Etikette halber freundlich zu sein. Es wird erwartet, dass man sich anlügt. Frage niemals wie es einem Menschen geht, er könnte ehrlich sein und "Scheiße!" sagen. Was dann? Wenn die Floskel plötzlich eine Meinung erwartet? Wenn die endgesteuerte Schleife einen wieder an den Anfang katapultiert und man sich mit einem Menschen auseinander setzen muss? Ja dann sind die meisten überfordert.
Für mich waren die letzten Tage sehr anstrengend. Ich habe mich selbst belogen und damit den Menschen, die mir das Wichtigste sind, verletzt. Nie wieder will ich das tun! Aus diesem Grund war ich heute Bilder ausdrucken. Ich selbst habe noch alle Bilder meiner kleinen Maus auf der Kamera und noch nicht einmal mein Vater hat ein aktuelles Bild. DAS habe ich heute geändert. Morgen geht der Umschlag zur Post. Mit Bildern voller Leben, voller Nele und mit ganz viel Liebe.
Papa! Ich brauche dich noch ganz lange! Ich wünsche mir, dass alles wieder ins Lot kommt, dass unser Vorsatz, ab sofort Klartext, anhält und ich freue mich, wenn du die ersten Schritte meiner kleinen Maus siehst. Sie braucht ihren Opa, wir alle brachen dich noch ganz lange in unserer Mitte.
Ich liebe dich!
Klarheit, wie einfach es sein kann, wenn man erst einmal begriffen WAS wichtig im Leben ist. Weder Geld, noch das Haus, noch der Job. Meine Familie, die Pfeiler und die Zukunft, es gibt nichts wichtigeres in meinem Leben
In diesem Sinne, nehmt euch Zeit, haltet ein und denkt daran...kein Mensch hat nur wegen seines Gewichts einen Herzinfarkt. Da steckt so viel mehr hinter und wenn dieser Mensch so ist wie mein Vater....fragt ihn einfach ehrlich wie es ihm geht und schimpft nicht mit ihnen, wenn sie über die Krankheit sprechen. Manchmal haben sie nichts anderes und dann ist es an der Zeit ihnen etwas anderes zu geben. Es kann von heute auf morgen zu spät sein!
d.
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und ich weine....ja wir 4 so mag Mama und haben!
AntwortenLöschenhm und mir wurde gesagt, ich solle nicht hinfahren. und das keiner zeit hatte ihn zu holen, das wusste ich auch nicht. man leute, ich hab das auto vor der tür!
AntwortenLöschensprecht doch bitte!!!
Schade, dass man immer aneindaner vorbeispricht.
AntwortenLöschenManchmal sollte man nicht auf andere hören, sondern auf die Stimme des Herzens, wenn sie dir sagt fahr hin....tu es einfach :) Manchmal ergeben das ganz wunderbare Reisen