Es gibt ja wirklich schlaue Menschen und ich mag deren Gesellschaft wirklich gern. Sei es nun persönlich oder auf literarischer Ebene, vollkommen gleich. Dann gibt es Menschen, die über einen urteilen. In Frage stellen, was man macht, warum man es macht und einem versuchen Selbstzweifel zu schenken. Der Unterschied zwischen den Erstgenannten und den Zweiten ist folgender. Wenn ich die ersten nicht mehr verstehe, lerne ich durch sie, mit ihnen, von ihnen. Bei den Zweiten handelt es sich um Menschen, die mich nicht kennen, dies aber glauben und sich ein Urteil erlauben.
So geschehen auf einer Feier, bei der ich noch nicht einmal anwesend war. Es kam zu einem Gespräch, von dem mir danach berichtet wurde. Es wurde nach mir gefragt. was ich so mache, wie ich so lebe. Wenn es diese Person interessiert hätte, was WIRKLICH ist, sie hat meine Nummer und hätte persönlich fernmündlich fragen können. Aber das erfordert ja den Mut zu einer Gegenüberstellung. Sie hätte sich MIT mir auseinandersetzen müssen.
Also fragte sie einfach ihre Fragen und bekam, weil die antwortende Person ja ein freundlicher Mensch ist, Antworten darauf. Nun hatte es sich wohl auch auf der Feier rumgesprochen, dass ich ein Kind erwarte und jene Person war darüber richtig erschrocken, ob es denn das Richtige sei. Es wäre ja zu vergleichen mit einem Ausscheiden aus dem Leben der freidenkenden Menschen. Ich hätte mein Leben sozusagen verwirkt. Meine Talente verschwendet und all mein Können einfach so hinter mir gelassen. Ich verschwende also mein Leben, wenn ich ein Leben schenke. Ich verschwende also meine Talente, wenn ich im Discounter an der Kasse sitze. Was kann ich froh sein, dass es Menschen gibt, die DAS erkennen, die sich ihr Urteil bilden und es mir über Dritte mitteilen, dass ich mein Leben vergeude.
ABER: a) Ich vergeude es sehr gern
b) interessiert mich die Meinung dieser Person recht wenig
und c) ICH habe eine Familie, die mich so annimmt, wie ich bin.
Ich habe Freunde, die mich mögen, die mir auch sagen, dass es nicht DIE ultimative Lösung ist, an der Kasse zu sitzen und meine Bildung schleifen zu lassen. Aber, diese Freunde kennen mich, wissen, warum es so läuft, wie es läuft und es kommt bei ihnen nicht als Vorwurf. Nebenher lasse ich meine Bildung ja nicht schleifen, sondern habe Interessen verlagert. Früher habe ich Bücher verschlungen, egal aus welcher Sparte sie kamen. Es war mein Beruf zu lesen und das Gelesene an die Menschen weiterzugeben. Heute lese ich Bücher, die MIR gefallen und es gefällt mir, diese Wahl zu haben. Ich spiele an meinem PC, bastel an Bildern herum und entspanne dabei. Früher, habe ich es studiert. Informatikerin wollte ich werden. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich im Grunde nur Grafikerin werden wollte und ich im Informatikstudium falsch war.
Ist es nicht eine Gabe zu erkennen, dass man etwas versucht hat und daran nicht unbedingt gescheitert ist, sondern viel mehr erkannt hat, dass die Talente in anderen Bereichen liegen? Was ist also dann daran die Verschwendung, wenn ich mir selbst eingestehen, dass ich so, wie ich bin, glücklich bin. Es läuft nicht immer alles rund und auch beruflich ist es alles andere als rosig. Aber: Ich habe einen Beruf, der mir Freude bringt. Der mich mit Menschen in Kontakt treten lässt, der mich menschlich bleiben lässt. Was ist daran also Verschwendung?
Wer A sagt, muss nicht B sagen, er kann auch erkennen, dass A falsch war. Das sagte bereits Bertolt Brecht und der ist sicher kein Mensch, der sein Talent vergeudet hat. Solange ich mir morgens in die Augen schauen kann, ist mein Leben doch so, wie es sein soll. Erfüllt und glücklich, mit Höhen und Tiefen versehen, aber dennoch MEIN Leben. Ich weiß, dass jene Person das hier nie lesen wird, da sie weder den Link hierzu hat, noch ein Interesse ihrerseits besteht, es zu lesen, da sie ja dann mit ihren Aussagen konfrontiert werden würde und meine Meinung dazu lesen müsste. Sie müsste sich vorstellen, dass ihr Leben, welches in meinen Augen auch suboptimal ist, nicht so verlaufen ist, wie sie es sich gewünscht hat. Sie müsste erkennen, dass SIE die gescheiterte Persönlichkeit ist, die sie in allen anderen sieht. Meistens sieht man im Gegenüber, einen Spiegel seinerselbst. Alles was ihr an ihrem Leben nicht gefällt, sucht sie bei anderen, hebt es hervor und versucht ihren Stempel darauf zu pressen.
Ich allerdings, lebe mit meinem Mann zusammen, erwarte ein Kind der Liebe und habe einen Beruf, der nicht unbedingt meiner Berufung entspricht, mich aber versorgt und ich nicht hungern muss. Ich habe einen Mann, der mich unterstützt, der mich so liebt wie ich bin und meine Macken akzeptiert. Der mir den Weihnachtsfrust nimmt, mich nach Aschaffenburg fährt und mich mit seinen Aktionen einfach glücklich macht. Ich bin keine frustrierte Mitvierzigerin, die es nicht geschafft hat, eine Leben neben der Karriere aufzubauen. Ich muss keinem Trend hinterherhetzen, weil ich so angenommen werde, wie ich bin.
Ich wünsche allen, eine wunderschöne Weihnachtszeit. Ich freue mich auf Aschaffenburg und darauf meine Liebsten in die Arme zu schliessen.
die Ich!
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Vor zehn Jahren hätte dieser Text von mir sein können ....
AntwortenLöschenIch wünsche Dir für dieses, Euer besonderes Jahr 2011 "Alles Gute". Es soll wunderbar und schön werden. Und so wie Du hinter Dir selber stehst, wird es auch gut werden.
Viele Grüsse
und noch viele schöne Stunden des "Wartens" wünscht Dir
Elisabeth