Samstag, 13. November 2010

Erinnerungen

Ja! Ich werde sentimental ;) Also jetzt nicht wirklich so zum Weinen, aber der November ist für mich immer ein Monat der Erinnerungen, die schmerzhaft, fröhlich und eigentlich einfach nur menschlich sind. Im November ist meine Oma verstorben. Ich habe ja schon von ihr geschrieben, wie sie uns Enkelkinder immer unterstützt hat. Im gnadenlosen Kampf gegen die Ungerechtigkeit des zu geringen Taschengeldes und der viel zu teuren Jeanshosen, Turnschuhe und Schminkkram. Ich vermisse sie und muss erschrocken feststellen, dass man mit den Jahren die unterschiedlichsten Eigenarten vermisst. Sie hatte damals als erste in dem Haus, in dem meine Familie wohnte, ein Telefon. Wir durften bei ihr Telefonieren und es kostete jedes Gespräch, egal wie lang nur 30 Pfennig. In meiner Kindheit eine Menge Geld. Aber man hat es gern bezahlt, denn meine Oma zahlte davon nicht die Telefonrechnung. Nein, das war unser zusätzliches Taschengeld, was sie uns immer wieder heimlich zusteckte. Davon wurden bei Simons (dem Büdchen in der Strasse) oder beim Edeka Knoch die bunten Tüten (Süßigkeiten in einer Papiertüte) finanziert. Eine weitere Erinnerung, die ich mit meiner Schwester teile und ich liebe die Erinnerung wirklich sehr.

Meine Oma hatte im Huk (das war ihr Name für die Küche, weil die im Grunde nur eine kleine Ecke innerhalb der Wohnung war) eine Butterdose. Die stand immer auf der Arbeitsfläche und damit wurden die Brote geschmiert. Doch wir Kinder liebten die Butter. Der Geschmack war so zart, so süß, so gelb und vor allem haben wir immer gedacht. SO schmeckt die Liebe. Ganz genau das ist der Geschmack, wenn man sich verliebt. Das Gefühl was man dann hat, konnte man mit den Gefühl verbinden, wenn wir Kinder uns in diesen Huk stahlen und mit dem Finger von der Butter naschten. Und natürlich haben wir nie die Spuren (die Butterfinger) beseitigt. Und wir haben uns diebisch gefreut, wenn die Oma eben auch in diesen Huk ging und gespielt überrascht feststellte, dass die Mäuse wieder zugeschlagen haben und sogar Fingerabdrücke hinterlassen haben. Doch es war eine tolle Zeit. Auch wenn wir nicht so normal aufwuchsen, wie andere Kinder. Es gab strenge Regeln innerhalb der eigenen kleinen Familie. Meine Eltern waren nicht wirklich streng, waren sie doch irgendwie Kinder der 70er aber sie hatten manch eine Vorschrift, die ich meinem Kind heute niemals auferlegen würde. Und die Stunden bei der Oma, waren immer so kleine Seelenurlaube, wie man sie nur bei der Oma machen kann.

Das sind die Erinnerungen an meine Oma.

Dann ist es so, dass ich im November meinen Mann kennengelernt habe. Zwar erst zum Ende hin, aber es hat mir über den Tod meiner Oma weggeholfen. Mein Mann hat im November Geburtstag und in dem Jahr als wir uns kennengelernt haben, hatte er sich genau an diesem Tag (seinem Geburtstag) von seiner Freundin getrennt und wollte eigentlich erst einmal eine Singlephase einlegen. Die hielt ganze 14 Tage, ehe wir die ersten zarten Chatkontakte knüpften. Wirklich und persönlich haben wir uns ja erst im Dezember kurz vor Weihnachten kennengelernt.

Und meine Tätowierung auf dem Rücken, (ich habe insgesamt 5) die (zur Zeit) grösste meiner Sammlung (jedoch nicht die letzte) wurde im November unter meine Haut gebracht. Ich war viel mit meinem besten Freund unterwegs, haben die Diskotheken unsicher gemacht und das Leben genossen, gefeiert und niemals an Morgen gedacht. Man lebte für den Moment (was ich auch heute noch so mache) man fühlte sich frei und gelöst.

Der November, so traurig wie er für mich immer wirkte, so mehr liebe ich ihn heute. Ich mochte schon immer den Herbst und habe ihn nicht als Sterben der Natur gesehen, eher als einen tiefen Schlaf, aus dem die Natur und die Welt farbenfroh im Frühjahr erwacht. Ein Wunder. Eine Zeit der Ruhe, des Insichkehrens und des Innehaltens. Man hat in dieser (düsteren) Jahreszeit die Möglichkeit über alles was man bisher gemacht hat Nachzudenken und für sich einen Abschluss zu finden. Man macht es wie die Natur und wirft Unnützes über Bord und schafft Platz für neues Leben, neue Genüsse und vor allem für ein neues Lebensgefühl. Im November beginnt das keltsiche Neujahr. Mit dem ersten November wird das fest Samhain begangen und ich finde den Glauben toll und es erklärt vielleicht auch meine Sicht der Dinge, meine Ansicht zum Thema Tod. Dieser Tag macht uns klar, hält uns quasi vor Augen, daß Leben und Tod die zwei Seiten einer Medaille sind. Ohne den Tod gäbe es kein Leben, ohne Leben keinen Tod. Deshalb gedenkt man an Samhain auch der Toten, besonders der eigenen Ahnen, die ja nach altem Glauben die Familie beschützen und ihr mit Ihren Ratschlägen zur Seite stehen. Den Toten des vergangenen Jahres gedenkt man noch nicht, da ihr Tod noch nicht lange genug zurück liegt. Sie brauchen mindestens ein Jahr, um sich von ihrem diesseitigen Leben zu trennen, auf die "andere Seite" hinüberzugehen und sich dort "einzurichten". Durch die Kontaktaufnahme zu ihnen oder ein Nicht-gehen-lassen-wollen infolge übermäßiger Trauer und Nicht-akzeptierenkönnens, halten wir sie unnötig lange in dieser Welt fest und nehmen ihnen die Möglichkeit, in Frieden zu gehen. Ihnen kann man an Samhain des übernächsten Jahres gedenken, wo sie dann auch feierlich in den Kreis der zu verehrenden Ahnen aufgenommen werden können. Aber nicht nur den Toten selbst ist dieses Fest gewidmet, sondern auch den Totengöttern, die die Toten in ihrem Reich willkommenheißen und unter deren Schutz sie stehen.

Es mag gotteslästerlich sein, wenn ich sage, dass ich diesen Glauben viel schöner finde und ich eh ein Mensch bin, der die Natur liebt und mir die Möglichkeiten offenhalten möchte, die mir eine Vielgötterei bietet. Ich empfinde es so, dass ein Wesen doch nicht für alle Belange da sein kann. Wenn man diese Aufgaben verteilt (so wie es in einem guten Unternehmen auch passiert) ist der einzelne nicht mit Stress verseucht. Jeder hat seinen Bereich, in der er sich auskennt und es funktioniert. Ich mag die Vorstellung, dass nicht nur einer für ein Wunder zuständig ist, sondern, dass etwas auf den Schultern von vielen ruht. Ich bin vielleicht genau deshalb so komisch, wie ich bin. Aber mich stört es nicht und meine Freunde stört es auch nicht. Ich zwinge ja niemanden dazu meine Ansichten zu teilen. Ich mag diese Vorstellung und lebe damit sehr gut. Was nutzt mir ein hadern? Was nutzt es mir, wenn ich nach dem Warum frage und nie eine Antwort erhalte? Ich habe gelernt anzunehmen. Dinge so zu belassen wie sie sind. Was ich nicht ändern kann, bleibt so. Nicht dass es unumstößlich ist. Aber es wird eine Zeit kommen, in der ich etwas verändern kann. Nichts ist in starre Formen gepresst, doch manchmal bleibt es einem noch für eine gewisse Reifezeit verschlossen.

Nun bin ich von Hölzchen aufs Stöckchen gekommen. Ich hoffe ihr verzeiht mir meinen Redefluß ;) Der November ist immer der Monat, der meine Worte und meine Gedanken beflügelt.

Liebe Grüße und einen schönen Samstag

die Ich ;)

3 Kommentare:

  1. Hoppala - wowhh da habe ich jetzt Minute um Minute in Deinen Wortenv erweilt und habe mich sehr novemberlich gefühlt :-)

    Schön, Deine Erinnerungen und Erzählungen. Und Danke fürs mitnehmen in soviel Persönliches. Das war einsrücklich und sehr mitlebbar.

    Ich verzeihe Dir diesen Redefluss nicht - als Strafe verlange ich noch mehr davon!

    Alles Liebe, mit viel ♥ und Lächelgrüesslis
    Franziska Sternenzauber

    AntwortenLöschen
  2. öhm, nagut. Ich werde mich bemühen, den November zu nutzen und meine Gedanken einfach niederzuschreiben :)

    Irgendwie sind meine Smilies immer nasenlos ;)

    AntwortenLöschen
  3. Wenn man am Sonntag um fünf Uhr! aufsteht und anfängt in Blogs zu lesen hat man wahrscheinlich eh eine Vogel....(kurze Erklärung:Robert hat schlecht geschlafen, und ich dachte dauernd er krampft wieder....). Aber bei Dir hab ich nun gleich 2 Mal gelesen. Und es ist beruhigend was und wie Du da schreibst. Ich kann auch sagen, dass ich mittlerweile den November mag. Aber so viel erlebt im November, wie Du, nein, das hab ich noch nicht. Da ist dieser Monat ruhig. Aber er beendet den Herbst, führt zum Winter (normalerweise, heuer spinnt das Wetter!)...und das mag ich schon. Und Deine Gedanken vom Reich "da drüben" die mag ich. Ich glaub nicht, dass es Gotteslästerung ist. Oder doch?... aber nach welchen Regeln dann?
    Kennst Du das Buch "Die Hütte...ein Wochenende mit Gott?" Hab ich nun zweimal gelesen. Da "waltet" Gott auch nicht allein...
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag
    Elisabeth

    AntwortenLöschen