Donnerstag, 11. November 2010

Tief berührt

Also meine emotionalen Höhen und Tiefen wechseln dank meiner Hormonwellen sekündlich. Aber dieser Spruch, der hat mich echt tief berührt:

Lebe nie ohne zu lachen,
denn es gibt Menschen,
die von deinem Lachen leben!


Ist das so? Gibt es Menschen, denen mein (ich muss zugeben, nicht sehr tolles) Lachen einen Sinn gibt? Steckt das Lachen an? Macht Lachen Menschen glücklich?

Ich glaube, dass Lachen Balsam für eine Seele ist, aber ebensogut kann es auch ein Selbstschutz für den Lachenden sein, sich mit vielen Dingen fröhlicher auseinanserzusetzen. Damit man den Schmerz weglacht. Ich kann sowas nicht. Aber ich lache gern und eigentlich oft und habe diesem Spruch somit schon einen Sinn gestohlen. Ich lebe mit einem Lachen im Gesicht und ich kann in den unpassendsten Momenten lachen, was wirklich sehr sehr unangenehm sein kann.

Folgendes Beispiel. Es war nichts, um einen Schmerz zu vertreiben, sondern ist aus der Situation entstanden. Heute bin ich unsicher, ob es okay war, aber ich denke das war es.
Meine Oma, die leider, ebenso wie einige Menschen in meinem Leben, viel zu früh ihre Heimreise angetreten hat, wurde beerdigt. Alle waren traurig, es war schrecklich, zu wissen, dass in dem Sarg, der in der Kapelle aufgebahrt war, die Person lag, mit der man noch Wochen zuvor gescherzt hatte. Ich habe meine Oma sehr geliebt, was ihr manches mal einfach zu viel war, da sie selbst kein Kind der Liebe war. Das aber nur am Rande. Während der Trauerrede, musste ich an die Abende denken, in denen ich mit der neusten Bravo (der Zeitschrift für Teens) zu ihr ging und mit ihr zusammen darin gelsen habe. Es waren so ganz eigene Abende, an denen wir viel gelacht und sie immer ein wenig milder war, als sonst. Ich dachte an die Momente in denen wir uns auf sie verlassen konnten, sie uns unterstützt hat, wo von anderen die Unterstützung fehlte und sie mit uns Enkeln sehr geduldig war. Wie sie sich die Zirkusveranstaltungen meiner Schwester und mir (wir haben dann immer eine Schlafdecke auf dem Boden ausgebreitet und sind auf allen vieren einer Abfolge gefolgt) angeschaut hat und das mit einer stoischen Ruhe tat. All diese Eindrücke kamen zu mir, erinnerten mich daran, dass "nur" ihr Körper dort lag und ihr Geist immer ein Teil meinerselbst blieb. All die Erinnerungen und schönen Momente, die sie uns geschenkt hat, die blieben und hielten sie bei mir.

Trotz allem liefen die Tränen und nun standen wir Enkelchen dort auf dem Rasen, der Sarg wurde dem Erdreich übergeben und meine kleine, liebe Schwester trat auf mich zu. Die Schminke verlaufen, die Augen gerötet, die Wangen rötlich und mit dem traurigsten Gesicht, das ich je gesehen habe und sie sagte: "Meinst du, die Oma wäre jetzt böse, wenn ich mir eine rauche?" Ich schaute sie an, mit ihrem verweinten Gesicht und plötzlich hatte ich meine Oma vor mir, wie sie mich anschaut und lächelt. "Nein Kind, rauch dir ruhig eine!" sagte sie und ich musste lachen. Weil ich eben all diese Erinnerungen in mir trug, darüber nachgedacht habe und meine Oma uns nie für irgendwas böse gewesen wäre. Dann kam diese Frage und ich konnte nicht mehr an mich halten.

Natürlich war es unpassend, mitten in der Trauergemeinde zu lachen und die Gesichter meiner Verwandten waren alles andere als freundlich. Doch ich konnte nicht anders. Weil ich eben das Bild im Kopf hatte, dass die Oma es sicher nicht tragisch gefunden hätte. Die Blicke, die ich bekam, sprachen mehrfache Bände des Unverständnisses. Aber wie sollte ich, wenn ich diese freundliche alte Frau, die das Leben zu schätzen wusste und die immer gesagt hat, dass sie nicht will, dass man ihr hinterherweint, wie sollte ich da noch mehr weinen?

Die Tränen trockneten und auch meine Lachen verstummte. Doch ich wusste, dass ich das Lächeln und Lachen meiner Oma immer im Herzen hatte und somit hat sie mir mit ihrem Lachen und Lächeln, das Leben lebenswert gelassen. Ich musste mich nicht grämen, nicht weinen, denn für mich war sie nie wirklich weg, nur aus dem sichtbaren Teil meines Weges verschwunden. In Träumen kam sie mich besuchen und ich glaube fest daran, dass sie irgendwie immer noch da ist, auch wenn ich weitergezogen bin. Ihre schützende Hand ist immer über mir, ebenso wie die Hand meiner Mutter immer da ist und mich auffängt.

Sie sind nicht für immer weg, sie sind einfach nur vorangegangen.

So und nun lacht, dass ihr einem Menschen das Leben ebenfalls lebenswert macht.

Es heißt nicht umsonst, lächelst du das Leben an, lächelt es zurück. Wenn man mit einem Lächeln im Gesicht über die Straße geht, wird man erstaunt sein, wie viele Menschen einfach zurücklächeln und diese Menschen haben dann ebenfalls gute Laune und lächeln, werden angelächelt und so verbreitet es sich wie eine Lawine. Eine Lawine lächelnder Gesichter, die einem ein gutes Gefühl ins Herz zaubert.

In diesem Sinne

Eine lächelnde drakonia

2 Kommentare:

  1. Ich schicke dir ein stilles lächeln ,ich glaube Du weißt wie ich es meine.

    Gruß Geli

    AntwortenLöschen
  2. Das ist so liebevoll und schön geschrieben.
    Ich kann das Lachen verstehen...ehrlich.
    Schlaf gut
    Elisabeth

    AntwortenLöschen